Präventionsbedarf

Die soziale Last des Strassenverkehrs

(Quelle: SINUS-Report 2017 der bfu)

In der Schweiz verursachen Krankheiten jährlich mehr als 60 000 Todesfälle. Unfälle scheinen dagegen mit rund 2500 Getöteten weniger bedeutend.

Bei Strassenverkehrsunfällen erscheint der Handlungsbedarf im Vergleich zu anderen Gesundheitsproblemen, wie Tabak- oder Alkoholmissbrauch, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen, oftmals weniger dringlich. Die Relevanz eines Gesundheitsproblems darf aber nicht ausschliesslich aufgrund der Todesopfer gesehen werden. Auch schwere Verletzungen und die langfristigen physischen und psychischen Auswirkungen müssen berücksichtigt werden.

Die Unfälle auf Schweizer Strassen verursachen pro Jahr fast 4 Mia. Franken an materiellen Kosten, vor allem für die medizinische Behandlung, die angerichteten Sachschäden und den Produktionsausfall infolge von Arbeitsabsenz. Getötete, Invalide und Schwerverletzte machen zwar mit 7 % einen eher geringen Anteil an allen Strassenverkehrsopfern aus, sie generieren aber mehr als ¾ aller materiellen Kosten von Personenschäden.

Trotz der seit Jahren kontinuierlich sinkenden Unfallzahlen bleibt das Ausmass an Opfern hoch und die von der Gesellschaft getragenen Kosten belegen, dass weiterhin ein Bedarf für systematische Prävention besteht.

Handlungsbedarf für die Prävention

(Quelle: SINUS-Report 2017 der bfu)

Die deutliche Abnahme der Anzahl Getöteter in der Schweiz ist sehr erfreulich. Diese positive Entwicklung ist aber kein Automatismus, sie ist auf eine kontinuierliche Sicherheitsarbeit zurückzuführen. Ohne gleichbleibendes oder höheres Engagement muss damit gerechnet werden, dass die Zahl der schwer und tödlich verletzten Verkehrsteilnehmer stagniert oder sogar ansteigt. Potenzial besteht v. a. bei der Umsetzung bestehender Vorschriften und Massnahmen sowie der optimalen technischen Ausgestaltung des Verkehrssystems (Strassen und Fahrzeuge).

Die Strassen in der Schweiz zählen zu den sichersten der Welt. Die deutliche Erhöhung der Verkehrssicherheit in den letzten Jahrzehnten hängt einerseits mit dem zunehmenden Wohlstand (bessere Infrastruktur und Fahrzeuge) zusammen, andererseits ist sie auf eine permanente, evidenzbasierte Prävention zurückzuführen.

Die Präventionsarbeit im Strassenverkehr wird auch in den nächsten Jahren herausfordernd sein. Nebst der qualitativ hochstehenden und vollständigen Umsetzung von Via sicura sowie der Ausnützung des Sicherheitspotenzials von Fahrerassistenzsystemen, gilt es, durch Umsetzung zusätzlicher Massnahmen die verbleibende Anzahl Getöteter und Schwerverletzter so weit wie möglich zu reduzieren.

Damit dies erreicht werden kann, ist ein System Strassenverkehr anzustreben, das Fehlverhalten bestenfalls verunmöglicht, zumindest aber dessen Auftretenshäufigkeit senkt und dessen Folgen reduziert. Die Schweiz plante dies vor rund 15 Jahren – mit den Grundsätzen und Grundlagen zu Via sicura – weitgehend im Sinn des «Safe System Approach». Während wichtige Elemente konkretisiert und umgesetzt wurden (z. B. Infrastrukturmassnahmen nach Art. 6a SVG, ISSI), gerieten andere in Vergessenheit (z. B. quantitatives Verkehrssicherheitsziel). Der Safe System Approach zielt auf ein (fehler)verzeihendes Strassensystem, das Fehler von Menschen und deren Vulnerabilität berücksichtigt. Mit der Optimierung technischer Rahmenbedingungen und Abläufe wird der Schutz der Verkehrsteilnehmer vor Tod und schweren Verletzungen angestrebt. Dieser Ansatz führt dazu, dass neben den Verkehrsteilnehmern auch Gesetzgeber, Strassenbesitzer und Hersteller von Fahrzeugen vermehrt in der Pflicht sind.

Beitrag des Kompetenzkatalogs Verkehrsbildung

Verkehrsbildung ist in verschiedenen Bereichen der systematischen Prävention wichtig. Der Kompetenzkatalog Verkehrsbildung konzentriert sich dabei auf die Bildung im engeren Sinne. Mit seiner Hilfe soll es den in diesem Bereich der Verkehrsbildung engagierten Organisationen möglich sein, ihre Bildungsmassnahmen so zu gestalten, dass die Inhalte auf Vorhergehendem aufbauen und mit Nachfolgendem weiterbearbeitet werden können. Nur so kann Kontinuität in der Verkehrsbildung erreicht und dadurch Effektivität für die Prävention gewährleistet werden.